Ist Amazing Spider-Man 2 amazing?

Ich sehe Filme nur sehr selten zwei mal im Kino. Dennoch kamen Marius und ich nicht drum herum, uns Amazing Spider-Man 2 gleich doppelt zu geben. Innerhalb von nur wenigen Tagen. Da der Film sehr unterschiedliche Kritiken bekommt, dachte ich, ich geb in dieser Review mal meinen Senf dazu.

Ich habe mit vielen Film- und Game-Reviews das Problem, dass sie entweder zu objektiv sind, oder (noch schlimmer) extrem subjektiv sind, aber behaupten, des Autoren Meinung sei Fakt. Deswegen mach ich das ganze sehr easy. Zuerst ein bisschen theoretisches Zeug zur Qualität, und danach persönliche Anmerkungen. Spoiler-Diskussion am Schluss, ich warne natürlich entsprechend vor.

Objektive Review:

Wow, was für ein durcheinander. Aus irgendeinem Grund haben die Produzenten (die ich mal dafür verantwortlich mache) nicht aus den Fehlern von Spider-Man 3 gelernt, und sich relativ früh selbst ins Knie geschossen. Zwei “Haupt-Schurken” (Electro und Green Goblin), ein Sekundärer Verbrecher (Rhino, der immerhin 15 Minuten Screen-Time hat), und zusätzlich ein starker Fokus auf Peters und Gwens Beziehung machen diesen Film VIEL zu überladen. Dadurch wird einem zwar kaum langweilig, aber kaum ein Charakter neben den beiden Haupt-Akteuren hat auch nur ansatzweise genug Entwicklungszeit. Norman Osborn ist verschwendet, und Electro schaltet in kürzester Zeit unglaubwürdig von gutmütigem Nichtsnutz auf “Ich knips ganz New York die Lichter aus”. Am schlimmsten betroffen ist aber Harry Osborn, dessen Vorgeschichte mit Peter in zwei (immerhin sehr gut geschriebenen und gespielten) Szenen schnell erklärt wird, damit er noch zum Ende des Filmes zum Kobold werden kann. James Francos Harry in der ersten Trilogie hatte drei Filme zeit, sich zu entwickeln. Ohne ominöse Krankheit, an der er in 30 Jahren sterben wird, für die er aber JETZT eine Heilung braucht, und damit mehrere Leben gefährdet. Der Film hätte also stark profitiert, wäre entweder Electro herausgeschnitten, oder Harrys eigentliche Story auf den nächsten Film verlegt worden.

Abgesehen von diesem großen Makel, der da ist “viel zu viel Shit”, hält sich der Rest eigentlich sehr gut. Die Darsteller sind beinahe ausnahmslos gut besetzt. Dane DeHaan ist als Harry sehr over the top, was aber im anbetracht der Tatsache, dass dies immer noch ein Comic-Film ist, nur zu passend ist. Jamie Foxx wechselt gekonnt schnell zwischen unnahbar und verletzlich, und Andrew Garfield und Emma Stone sind ein Traumpaar. Nicht nur ihre Chemie, auch ihre Individuellen Performances sind fantastisch. Ein extra-Lob an Sally Field, deren May Parker in diesem Film vermutlich der beste Nebencharakter war, sowohl emotional, als auch als komödiantischer Kontrast zu Peter. Wenn dieser Film eine Stärke hat, dann die Beziehungen zwischen den Charakteren. Gut geschrieben und gut gespielt. An Optik, Musik und sogar 3D ist wenig auszusetzen, der Film spielt hier in der obersten Blockbuster-Liga. Insgesamt würde ich also sagen, dass Amazing Spider-Man 2 sein Potenzial durch mehrere fragwürdige Entscheidungen verspielt, und somit eher durchwachsen, aber sehenswert ist.

Subjektive Review:

Völlig egal! Auch wenn mir nach dem ersten mal schauen mehrere Fehler aufgefallen sind, die sich beim zweiten Kinobesuch bestätigt haben, habe ich fast alle ignoriert. das hier ist mein persönlicher Lieblings-Spider-Man Film bisher. Wer argumentieren will, dass die alte Trilogie besser ist, kann das tun, beide haben ihre stärken und schwächen. Ich persönlich hab aber in Amazing Spider-Man zum ersten mal den Spider-Man gesehen, den ich sehen wollte und wie ich ihn mir vorgestellt habe. Zugegeben, Peter Parkers Part ist manchmal ein bisschen ZU cool, dafür dass wir ihm abkaufen sollen, ein Loser zu sein. Aber dafür ist seine Präsenz im Kostüm für mich unübertroffen. Die Romanze, die überraschend präsent ist, obwohl sie den Konflikt aus Spider-Man 2 aufgreift, ist hier deutlich angenehmer anzusehen, vor allem weil Emma Stone Kirsten Dunst um längen übertrifft. Sie ist intelligent, voller Tatendrang und unglaublich liebenswert und lustig. Ihre Real-Life-Beziehung hilft Stone und Garfield sicher dabei, auch auf der Leinwand großartige Chemie aufzubauen. Während Spidey mit seinen dummen Sprüchen im letzten Film schon sehr gute Anfänge gezeigt hat, ist er hier für mich in Höchstform. Manchem mag er zu viel reden, und um ehrlich zu sein, gefährdet er durch seine Albernheiten streckenweise sogar Leben (nicht cool), aber ich habe gelacht. VIEL. Ich finde die Vorlgage sowohl aus Amazing Spider-Man sowie aus Ultimate Spider-Man ist relativ gut getroffen. Zugegebenermaßen hatte ich früher nicht das Geld, mir übermäßig viele Comics zu kaufen, weshalb mein Marvel-Grundwissen eher aus Internet-Zusammenfassungen und Videospielen stammt. Aber über Spider-Man habe ich mich mittlerweile viel informiert, ich weiß einiges. Und darum ist er für mich auch der beste Superheld, und dies ist für mich sein bester Film. DAS HIER ist der Spidey, den ich sehen will.

Nun aber nochmal zu einem eher unangenehmen Part. Mit Spoilern!

 

SPOILER-ZEIT!!!

 

Oooooooojeojeojeoje. Das Ende dieses Filmes ist sehr Kontrovers und ich bin insgesamt relativ gleicher Meinung wie die meisten Reviewer, die ich bisher gesehen hab, Die Tatsache, DASS Gwen Stacy in diesem Film stirbt, war für viele vorherzusehen, ich persönlich war mir nicht 100%-ig sicher, aber habe stark damit gerechnet. Und dass sie es wirklich durchgezogen haben, ist bemerkenswert. Der letzte Superheldenfilm der die wichtigste Dame im Cast umgebracht hat war Dark Knight, oder? Und bei allem Respekt, die hatte deutlich weniger Screen-Time als Emma Stone. Ich finde es gut, dass Gwen tot ist, das ist ein wichtiger Part im Spider-Man Mythos. Andererseits hasse ich die Tatsache, dass Emma Stone nicht weiter mitspielen wird, sie ist ein schwerer Verlust für die Filmreihe, und wer auch immer Mary Jane spielen wird, steht unter sehr großem Druck, diese Performance zu toppen. Aber was ist jetzt der Kritikpunkt?

DIE AUSFÜHRUNG! Zum einen ist es ein großes Downgrade von der Vorlage her, dass der Kobold im Comic Spideys Erzfeind ist (rivalisiert nur von Doc Oc und Venom), im Film aber erst in den letzten 20 Minuten auftaucht. Wieder ein Zeichen, dass Harry so dringend wie möglich reingepresst werden musste, um Gwens Tod zu erzwingen. Warum trat Harry nicht in diesem Film auf und verschob das Ende dieses Films auf Amazing Spider-Man 3? Dann hätte er Zeit für mehr Entwicklung gehabt. Und Gwen hätte eine volle Trilogie gefüllt, anstatt jetzt schnell durch wen anders ersetzt zu werden. Viel schlimmer aber ist die Tatsache, dass der Tod 5 Minuten lang sehr gut in Szene Gesetzt wird. Peters Reaktion direkt am Ort der Tragödie sowie die Beerdigung (nebenbei, das ist jetzt der vierte von fünf Spider-Man Filmen mit ner Beerdigung am Schluss. The F***?) sind sehr sensibel und feinfühlig dargestellt und verarbeitet. Dumm nur, dass wir Monate überspringen, und es ihm am Schluss doch wieder gut geht! Waren die Macher SO verängstigt davor, ein bitteres Ende zu fabrizieren? Schulden wir Gwen nicht ein bisschen mehr als nur 10 Film-Minuten Trauer-Zeit? Vielleicht hätten wir Peters Tortur im nächsten Film erforschen können? Neeeeee, ihm gehts gut, wir haben den Zuschauern ja nur 3 Montate Trauer erspart. KOMMT schon. Je mehr ich darüber nachdenke, desto wütender werde ich, wie viel Potenzial dieser Film vergeben hat. Gwen ist tot, sie kann nicht nochmal sterben, das war ihre eine Chance, einen der ikonischsten Comic-Momente aller Zeiten effektiv rüberzubringen. Und sie haben leider zu wenig daraus gemacht.

 

SPOILER-ZEIT AUS!!!

 

Nichtsdestotrotz wiederhole ich gerne nochmal, dass ich diesen Film liebe. Er ist leicht in meinen Top 3 für Lieblings-Superhelden-Filme. Wenn Sony jetzt die Sinister Six und Venom gut durchzieht, könnte sich das Amazing Apider-Man Universum für mich sowohl über das Avengers-Universum als auch über die X-Men stellen.

Bis dahin,

TheThörl

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Hey, ich bin Mitglied des "TheChewer"-Teams und werde neben Game-News über Filme reden und sie reviewen. Coming soon....