Warum “Symphony of the Goddesses” so viel besser hätte sein können

  • 100€ Eintritt.
  • 1200 Kilometer Strecke
  • 12 Stunden Fahrt
  • Eine Übernachtung im Auto auf dem Raststätten-Parkplatz

Manche Menschen sind große Fans von bestimmten Dingen. Und wenn sie das sind, machen sie manchmal ein bisschen verrückte Dinge. Wir bei TheChewer.com sind große Fans von Videospielen. Und von Musik. Und wenige Franchises verbinden diese beiden Medien so kunstvoll und innovativ wie The Legend of Zelda. Also ist es nicht überraschend, dass wir sehr große Zelda-Fans sind. Vor allem Dani und ich haben jeweils mindestens 90% der bisherigen Spiele an- und einen Großteil davon (mehrmals) durchgespielt. Zelda ist eine großartige Serie mit vielen Stärken. Gameplay, Innovation, Story, Charaktere, Mythologie und wie eingangs erwähnt: Musik. Und wenige sind so gut darin, ihre Stärken so effizient zu vermarkten wie Nintendo.

Lasst mich etwas weiter ausholen

In der Orchester-Musik hat sich in den letzten Jahren eine Gegenbewegung entwickelt, denn junges Publikum wurde in klassischer Musik immer rarer. Warum das so ist, ist eine andere Geschichte, aber es wurde schnell entdeckt, in welcher Form die Breite Masse der Jugend orchestrierte Musik dann doch auch heute noch respektiert: Soundtracks. Egal wie wenig Wissen manch einer vielleicht in der Schule über Mozart und Beethoven vermittelt bekommen hat, jeder kann auf Kommando das Harry Potter-Thema oder den Imperial March aus Star Wars singen. Also versuchte man, das junge Publikum auf diese Weise wieder in die Konzertsäle zu locken. Und es funktionierte. Spätestens mit der Zusammenarbeit von Howard Shore und Ludwig Wicki, die “Der Herr Der Ringe” als Film mit Live-Orchester ins Leben riefen, wurden Filmmusik-Konzerte immer häufiger und gewannen schnell an Beliebtheit. Schnell folgten andere Filme, die größtenteils das selbe Prinzip nutzten: Den Film mit SFX und Sprach-Synchronisation auf Großleinwand zeigen, die Musik aber live mit Orchester synchron dazuzuspielen. Fluch der Karibik, Matrix und Fantasia sind nur einige Beispiele, die in den letzten Jahren speziell in der Münchner Philharmonie gezeigt wurden. Ein breites Publikum wurde angesprochen und viele Konzerte vorzeitig ausverkauft. Das System war ein Erfolg und wird sich mit Sicherheit noch weiter durchsetzen.

Um auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen, Filme waren nicht das einzige Medium, das funktionierte. Auch Videospiele wurden in Betracht für derartige Projekte gezogen. Der Schritt war ein bisschen riskanter, aber logisch. Und während es solche Konzerte in Amerika und Japan schon länger gab, dieses Jahr wurde erstmals in großem Stil Europa angesteuert. Darunter Deutschland. Dank der Arbeit von Genre-Ikone Arnie Roth war “Distant Worlds” mit Musik und Gameplay-Material aus der Final Fantasy-Reihe ein so großer Erfolg, -schon im Vorverkauf- dass bevor die Konzerte überhaupt stattgefunden hatten schon der Beschluss stand, nächstes Jahr wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Wie vielleicht manche wissen, haben Dani, Mikey und ich als Chorsänger bei Distant Worlds mitgewirkt, wodurch wir das Phänomen aus erster Hand erfahren konnten.
Und wie zu erwarten, wenn etwas Erfolg hat, stand schon das nächste Projekt in den Startlöchern.

“The Legend Of Zelda: Symphony of the Goddesses”, die seit 2011 durch Amerika und Japan tourt, wurde dieses Jahr endlich für ein Konzert in Deutschland angekündigt, Berlin um genau zu sein. In dem Moment, in dem Nintendo diesen Termin ankündigte, saß ich gerade in der Ausbildung und die anderen beiden befanden sich mitten in einer Orchesterprobe für Final Fantasy. Da ich mitverfolgt hatte, wie schnell die guten Plätze für Final Fantasy früh vergeben waren, mussten wir sofort zuschlagen und Daniel bestellte vier Karten (eine für meinen Bruder) per Smartphone direkt während der Probe. Die 100€ war uns diese Erfahrung damals allemal wert. Auf diese Chance hatten wir seit der E3 2011 gewartet, in der die Konzertreihe zuerst angekündigt wurde.

Das ganze ist jetzt ein paar Monate her und am 28.5.2013, war es soweit. Wir packten Proviant ein und machten uns per Auto auf den Weg in die Bundeshauptstadt, um das Erlebnis “Game-Konzert” dieses Mal vom Zuschauerraum aus zu genießen. Vor allem, da wir zu Zelda noch mehr nostalgische Bindung haben als zu Final Fantasy (Haters are welcome). Es sollte mein bester Konzertabend werden, seit ich an meinem sechzehnten Geburtstag das erste mal “Die Gefährten” in der Münchner Philharmonie gesehen hatte.

Wie man aber am Titel dieses Artikels schon erahnen kann:
Er war es nicht.

Wer unsere Gesichter und groben Meinungen nach dem Konzert sehen will, ist dazu eingeladen, sich den Chewing VLog von gestern anzusehen.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Sus6nMWV8Vw?rel=0]

Dieser Artikel wird nun deutlich mehr ins Detail gehen.

Und lasst mich gleich zu “Beginn” eines aus dem Weg räumen:
Symphony of the Goddesses war ein gutes Konzert. Ein wirklich gutes, anständiges und (den Reaktionen des Publikums nach zu urteilen) ein unvergessliches Erlebnis für einige. Aber warum kamen wir vier und besonders Daniel und ich am Schluss enttäuscht aus der Erfahrung? Dem werde ich in mehreren Punkten nachgehen.

Punkt 1: Technik.

Was schon vor dem Konzert auffiel, waren ungewöhnlich viele Mikrofone auf der Bühne. Für alle, die mit Orchester-Konzerten nicht so vertraut sind: Üblicherweise wird der Chor verstärkt, wenn er nicht groß genug ist, um an lauten Stellen das Orchester zu übertönen. Zusätzlich vielleicht einige Soloinstrumente wie die Harfe oder Flöte, die bei höherer Lautstärke als Solo-Stimme Schwierigkeiten bekommen können. Nicht bei Zelda. Vielleicht lag es am Raumklang des Zirkus-Ähnlichen Saales, aber ich vermute eher, dass dies in allen Konzerten der Fall war: Das gesamte Orchester war verstärkt. Soweit wir sehen konnten, standen überall Mikrofone, Jede Violine, jedes Chello, alle Bläser, etc. Wo wir auch hinsahen, alles wurde abmikrofoniert.
“Aber was ist denn daran so schlimm? So hat der Tontechniker doch die Möglichkeit viel feiner abzumischen und ein perfektes Gesamt-Gebilde durch die Boxen zu schicken” mag man mich jetzt fragen. Darauf antworte ich Folgendes: Live-Orchester-Klang. Wenn ich auf Konzert gehe,  will ich das Gefühl haben, dass ein Orchester live spielt.

Vom ersten Takt an habe ich aber nur eines gehört: Aufnahme-Sound! Nichts am Orchester klang live, alles klang nach einer CD-Produktion oder Playback. Es war ziemlich surreal, die Musiker zu betrachten und der einzige Moment in dem man realisiert, dass die Künstler die Musik gerade wirklich live performen ist, wenn sich jemand verspielt. Alle hatten In-Ear Monitoring und die Dirigentin Eímear Noone dirigierte mit Kopfhörern zusätzlich zum mittlerweile obligatorischen kleinen Bildschirm, der den Takt angab. An dieser Stelle möchte ich nebenbei auch ein Lob aussprechen, Frau Noone machte einen fantastischen Job und hatte nur an zwei oder drei Stellen kurz Schwierigkeiten, das Orchester zusammenzuhalten. Ansonsten zeigte sie einen eleganten, aber dennoch strikten und genauen Dirigier-Stil, und gab viele Einsätze, die andere Dirigenten ignoriert hätten, vor allem für den Chor. Hut ab. Es waren nie drastische Abweichungen vom Geschehen auf der Leinwand festzustellen.
Apropos Leinwand!

Punkt 2: Show

Ich selbst wusste vor dem Konzert nicht genau, wie der Abend ablaufen würde. Distant Worlds war eine Anreihung an beliebten Titeln und ein oder zwei extra komponierten Medleys der Final Fantasy Spiele, begleitet von Bildern auf der Großleinwand. Dazwischen moderierte der Dirigent (Arnie Roth) und leitete durch das Programm und die Geschichte der Final Fantasy-Reihe.

Grob gesehen war das bei Zelda ähnlich, aber bestimmte (entscheidende) Details differenzierten sich in der Präsentation. Der Unterschied aus musikalischer Perspektive ist, dass Distant Worlds hauptsächlich Musik direkt aus den Spielen neu für Orchester arrangiert. Symphony of the Goddesses hingegen ist im Kern tatsächlich eine Sinfonie. Das heißt, die Hauptstruktur besteht aus 4 komplett neu komponierten Sätzen (unter Verwendung bekannter Motive, selbstverständlich). Doch dazu später mehr. Der zweite merkliche Unterschied war, dass nicht die Dirigentin moderierte, sondern Produzent und Arrangeur Jeron Moore. Das ist noch nicht sehr anders, und Moore zeigte, dass er sehr viel vom Thema, von den Spielen, der Mythologie und natürlich den Kompositionen von Koji Kondo verstand. Er war ein sympatischer und angenehmer Host, der offen wirkte und seine eigene Leidenschaft für Zelda zeigte.

Was hier aber komplett in die Hose ging war die Entscheidung, einen Dolmetscher zu engagieren. Da Herr Moore nicht fließend deutsch kann, wurde ihm ein Übersetzer zur Seite gestellt. Das an sich ist ja auch kein Problem, bestimmt waren Leute im Saal, die kein englisch konnten. Das Problem war der Dolmetscher selbst. Vielleicht ist es für ihn ganz gut, dass ich seinen Namen nirgendwo finden konnte, aber ein Großteil des Publikums war ihm gegenüber schnell sehr negativ eingestellt. Seine Bewegungen, seine Sprechart und seine Wortwahl sind nicht in Worte zu fassen und bisher gibt es auch noch keine Video-Aufnahmen von einer Moderation. Die generellen Reaktionen aus dem Publikum ließen darauf schließen dass die meisten ihn am liebsten von der Bühne getreten hätten und die Internet-Foren bestätigten diese These die letzten Tage. Am besten zu umschreiben wäre er als ein Hybrid aus Gollum und Markus Lanz, der eine von Jack Sparrows Dreadlocks geraucht hat. Eine wirklich einzigartige und in anderem Rahmen bestimmt auch lustige Performance. Was Fans aber am meisten aufstieß, war sein offensichtlich komplett fehlendes Wissen zur Zelda-Reihe. “Das Meer spielt in Zelda immer eine große Rolle”, “das nächste Stück ist allen Damen aus der Zelda-Ebene gewidmet” und die fehlerfreie Übersetzung “Es wird düster mit der Prinzessin des Zwielichts” sind nur einige (freie) Zitate, an die ich mich aus dem Stegreif erinnere. Als er nach der englischen Ansage zu “A Link to the Past” sagte “Dem ist nichts hinzuzufügen” tobte der Saal fast so sehr wie zur Ankündigung der Zugabe. Selbst Moderator Moore selbst merkte sehr schnell, was für einen komischen Vogel er neben sich stehen hatte. Ein sarkastisches “I totally trust this guy” brachte den größten Lacher des Abends. Mit seinem vermutlich gewollt komischen Auftreten (nie und nimmer benimmt der sich immer so) sorgte der namenlose Dolmetscher aber regelmäßig dafür, dass man sich das nächste Stück nicht schneller herbeisehen konnte.

Update: Dank Youtuber “b03hse” gibt es mittlerweile einen kurzen Mitschnitt, durch den ihr euch zumindest ein grobes Bild machen könnt:

Der letzte Punkt zur gesamten Show, den ich ansprechen möchte ist das Einbeziehen der Leinwand und ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich es gut fand oder nicht. Selbstverständlich ist es im Falle von Film-Konzerten effektiv, den Film dabei zu haben, da die Musik extra genau darauf komponiert wurde. Spiele-Musik funktioniert aber anders, sie teilt weniger Details mit dem, was der Bildschirm beim spielen zeigt und ist nur sehr selten allein auf eine fest gescriptete Sequenz komponiert. Beim Filmkonzert begleitet die Musik den Film, beim Videospiel-Konzert begleitet der Film die Musik. Das macht ihn deutlich überflüssiger. Die Szenen haben zwar größtenteils ganz gut zur Musik gepasst, waren aber meiner Meinung nach nicht wirklich notwendig und oft ablenkend. Am besten konnte ich mich auf die Musik konzentrieren, wenn hin und wieder kein Bild vorhanden war oder ich einfach die Augen schloss, um mich zu zwingen, wegzusehen und nur zu hören. Insgesamt addierten sich CD-Sound, Moderationen und Leinwand-Spektakel dazu auf, dass ich mich sehr schwer tat, auf die Musik zu achten. Es war im Grunde, als würde man Trailer auf Großleinwand mit dicken Boxen anschauen. Die Musik stand nicht genug im Mittelpunkt, genau wie das Orchester, da man wie gesagt stets vergaß dass da Live-Musiker am Werk sind.

Kommen wir aber nun zum letzten großen Punkt, den ich hier kommentieren möchte, und zwar die Musik-Auswahl und allgemein das musikalische Konzept.

Punkt 3: Musik

Ich greife also dort auf, wo ich die Musik vorhin fallen gelassen hatte. Das Gesamtwerk hatte als Kern eine Sinfonie, die noch mit anderen Stücken erweitert wurde, weil die Sinfonie selbst vermutlich nur um die 50 Minuten gedauert hätte. Ich gehe einfach Chronologisch durch die musikalische Architektur.

1. Overtüre

Das Intro war im Grunde ein Medley aus vielen großen und Beliebten Titeln und Motiven, ähnlich oder sogar identisch mit dem, das auch die 25. Anniversary CD eröffnet. Musikalisch wundervoll komponiert, arrangiert und aufgeführt, aber da ich es nicht erwartet hatte, zerlegte der Produktions-Klang die Erfahrung hier für mich am meisten. Im ersten Moment dachte ich ungelogen, dass ein Playback gestartet wurde. Aber ich wiederhole mich.

2. Interludien

Nach einer langen Moderation stand erst mal Verwirrung im Raum, da niemand etwas mit dem Dolmetscher anzufangen wusste. Das wurde mit einem clever arrangierten und Nostalgie-Freundlichen Dungeon-Medley vergessen gemacht. Hauptsächlich aus älteren Spielen wie The Legend Of Zelda und Link’s Awakening, war es vor allem Fanservice für alle Retro-Gamer, die den Anfang der Saga noch miterlebt haben. Dank z.B. Smash Bros. waren aber auch den anderen (mich eingeschlossen) die meisten Stücke bekannt.

Das zweite Interludium war wieder direkt von der CD, Kakariko Village (Und ja, der Übersetzer machte wirklich einen Kaka-Witz.). Das ruhige Stück war ebenfalls wundervoll umgesetzt mit einem großartigen Klavier-Solisten und sehr sauberen und genauen Streichern. Da die Film-Aufnahmen sehr friedlich und langsam waren, war es hier besser möglich, sich in der Musik zu verlieren.

Das dritte und letzte Stück vor dem Hauptteil gefiel dafür weniger gut. “Songs of the Hero”, ein Medley, das mehrere Ocarina-Stücke aus den Spielen verband. Dabei gab es übrigens kaum Video-Unterstützung, nur einige Bildschirmschoner-artigen Stimmungs-Animationen. Es hätte einer meiner Favoriten werden können, litt aber meiner Meinung nach an einigen ungünstigen kompositorischen Entscheidungen. Es begann mit der kurzen Hymne der Sonne und ging sofort in ein Chor-lastiges Arrangement der Hymne der Zeit über. Was mich hier wie in vielen Versionen dieses Stückes irritiert ist, dass der Takt um einen Schlag nach rechts geschoben wurde. Im Original und vor allem im Hintergrundchor der Zitadelle der Zeit ist recht deutlich zu hören, dass der erste Ton, das A, ein Auftakt ist. In mehreren Fan-Versionen und auch einer Klavier-Notation die ich zuhause liegen habe, wird das A aber als erster Schlag gespielt, wodurch das ganze nicht nur ungewohnt, sondern auch sehr schwerfällig und schleppend klingt, anstatt zwar schwer, aber vorantreibend. Die gleiche Version war hier zu hören und wenn jemand der Meinung ist, dass die Originale danach klingen, bin ich zu Diskussionen bereit, vielleicht liege ich mit meiner Haarspalterei auch falsch. Weiter ging es mit meinem eigentlichen Lieblings-Stück aus Ocarina Of Time, der Serenade des Wassers. Aber auch hier mochte ich die Umsetzung nicht. Wenig Betonung auf die eigentlich essenzielle Harfe und eine unnötige Epifizierung gegen Ende klangen sehr unpassend. Als plötzlich das gesamte Orchester mit Chor und bombastischem Giganto-Sound einsetzte, riss es mich fast vom Stuhl und ich weiß nicht, warum dieses friedliche Stück das brauchte. Es folgte mein Lieblings-Lied aus der Gesamten Serie. Das Lied der Befreiung aus meinem ebenfalls Lieblings-Spiel: Majoras Mask. Es war schön umgesetzt und setzte zum ersten mal ein bisschen Gänsehaut auf, und das ebenfalls sehr epische Finale schadete diesem Stück nicht ganz so sehr wie dem letzten. Faszinierenderweise war dies das einzige Stück, wo ich mir wirklich Gameplay-Material gewünscht hätte. Eine Collage aus den gequälten Seelen, die man im Laufe des Spieles trifft und befreit hätte den düsteren Ton des Spieles fantastisch komplimentiert. Als letztes war die Hymne des Sturms an der Reihe und auch diese war in Ordnung umgesetzt, auch wenn das Orchester ein bisschen im Rhythmus wackelte. Insgesamt war die Stückeauswahl im Medley gut gelungen, ein paar beliebte Stücke wie Zeldas Wiegenlied kamen später noch ins Spiel. Die Umsetzung gefiel mir aber weniger, die Instrumentierung und Stilrichtung in die manche Lieder sich bewegten, fand ich oft unpassend und es war kein schönes, fließendes Medley sondern einfach eine Aneinanderreihung von manchmal nicht zusammenpassenden Song-Schnipseln. Nicht mein Favorit.

Jetzt ging es aber zum Hauptteil des Konzerten, der viersätzigen Sinfonie der Göttinnen,
gestartet mit einem Preludium

The Creation of Hyrule
Einer der besten Teile des Konzertes. Das Stück war eins zu eins die Erschaffung Hyrules aud Ocarina of Time. Die Geschichte der Göttinnen Din, Nayru und Farore wurde auf der Leinwand gezeigt und mit der gleichen Musik wie im Spiel begleitet. Sehr schön arrangiert und eine Instanz, in der die Leinwand wirklich einen Sinn hatte.

Satz I: Ocarina of Time
Interessanter Weise habe ich über die eigentliche Sinfonie gar nicht sehr viel zu sagen, und werde es deswegen auch recht kurz halten. Ocarina Of Time war genau, was zu erwarten war, eine schöne Komposition, die die Story vom Tod des Deku Baumes über die Zitadelle der Zeit bis zum Finale in Ganons Schloss schön begleitete.

Satz II: Wind Waker
Genau die gleiche Komposition wie auf der CD und mein Favorit in der eigentlichen Sonate. Viel mehr als über den ersten Satz lässt sich auch hier nicht reden: Ozean, Tetra, Ganondorf, alle Publikumslieblinge waren dabei. Sehr schön.

Intermezzo: Great Fairy’s Fountain
Nach einer Pause kehrten die Musiker mit diesem Zwischenspiel zurück, das ebenfalls direkt von der CD genommen wurde. Das wunderschöne Stück mit Frauenchor, zarten Streichern und zwei Harfen war aber leider nicht optimal umgesetzt. Der Chor war nicht sehr gut abgemischt, manchmal nicht sauber und eine Dame stach zu sehr heraus. Eine der Harfen wusste in einem wichtigen Solo nicht mehr, was sie spielen sollte und improvisierte zwei Takte lang Töne, die nicht in die Harmonie passten. Leider musikalisch enttäuschend.

Satz III: Twilight Princess
Eines der polarisierendsten Zelda-Spiele erhielt den epischsten Satz (auch von der CD). Wie das Spiel selber versucht die Musik, düsterer zu sein als die Story eigentlich ist, hat damit aber ein wenig mehr Erfolg. Midnas Theme ist ein wundervolles Motiv, das auch gut eingearbeitet wurde, Auf der bombastischen Seite allerdings fegt es vor allem mit dem finalen Bosskampf alles bisher da gewesene Weg. Schlagwerk, Chor und Blech zimmerten alles raus, was sie in Reserve hatten und brachten den Höhepunkt der Sinfonie wunderbar über die Bühne.

Satz IV: A Link to the Past
Mit der Musik aus dem ersten Zelda-Spiel für den Super Nintendo wurde es wieder ruhiger. Aber auch nur ein wenig. Bedrohliche Dungeon-Musik und Bosskämpfe waren auch hier effektiv. Direkt an den vierten Satz angebunden fand dann auch das Finale statt, eine voll orchestrale Version des Zelda-Hauptthemas.

Das verwunderliche war, dass das Konzert laut Ansage schon zu Ende war. Die Pause hatte erst vor 3 Sätzen stattgefunden. Insgesamt waren wir vier aber schon ziemlich geschlaucht. Auch wenn ich die Musik vor allem der Sinfonie gerade größtenteils gelobt habe, dürfen wir nicht vergessen, dass die Negativ-Punkte, die ich im am Anfang aufgezählt habe, alles runterzogen. Die Musik war der beste Part, aber wie gesagt nicht genug im Fokus. Zusätzlich war für mich ein zusätzlicher großer Brocken Enttäuschung dabei, da angekündigt war, dass Majoras Mask im Konzert eine größere Rolle spielen sollte als zu Beginn der Konzert-Tour. Dass 2 Minuten Lied der Befreiung alles war, was ich erhielt gefiel mir gar nicht. Wir gingen zwar von einer Zugabe aus, die würde aber Ballad of the Goddess aus Skyward Sword sein, das bisher auch sehr spärlich behandelt wurde. Recht rar machten sich außerdem Link’s Adventure, Link’s Awakening und die Oracle-Spiele. Dass viele Titel wie Minish Cap oder Phantom Hourglass komplett ignoriert wurden war auch beleidigend für die Fans dieser Teile.
Doch wir lagen falsch. Die erste Zugabe war nämlich nicht Skyward Sword, sondern (und bei der Ankündigung habe ich gejubelt)

Ballad of the Windfish
Das extrem beliebte Stück aus Link’s Awakening war wunderschön, kam super an und profitierte davon, dass die Leinwand nicht benutzt wurde. Ich hatte das ganze Konzert auf einen musikalischen Höhepunkt gewartet und nun hatte ich ihn bekommen. Entgegen der Norm, dass schon eine Zugabe bei Sinfonie-Konzerten selten ist, kam danach direkt eine zweite. Wieder nicht Skyward Sword, sondern noch ein Ocarina Of Time-Stück:

Gerudo Valley
Wieder direkt von der CD genommen, gefiel mir diese Zugabe wieder viel weniger. Das Orchester viel fast auseinander und die Tatsache dass schon wieder Ocarina of Time gefeiert wurde, fing an, mich zu nerven. Natürlich ist es ein großartiges Spiel und ein Meilenstein der Gaming-Geschichte. Aber mir wurde es zu viel. Schon das dritte komplette Stück plus Auftritte in der Overtüre und “Songs of the Hero” waren meiner Meinung nach unfair gegenüber anderen Spielen. Doch als ich alle Hoffnung aufgegebene hatte, kamen die Moderatoren ein drittes Mal auf die Bühne.
Es hätte in der Vergangenheit viele Wünsche gegeben, erzählte Moore dem Publikum. Viele Aufschreie, dass ein sehr beliebtes Spiel zu wenig beachtet wurde. Es gab Umfragen und Abstimmungen, die darauf hinaus liefen, dass das Musikalische Team ein neues Stück komponierte. Eine letzte Zugabe, die extra für die Fans angefertigt geworden war. Es war so weit. Ich glaubte meinen Ohren nicht, als er einen kompletten Satz für Majora’s Mask ankündigte. Ich jubelte zum ersten mal wirklich laut mit, und hoffte um alles in der Welt, dass diese letzte Zugabe den Abend retten würde. Von dieser Performance hing ab, ob ich den Saal doch noch glücklich oder noch enttäuschter als zuvor verlassen würde.

Tja

Majora’s Mask
Ihr kennt mittlerweile meine Gefühle, die ich nach dem Konzert hatte. Vielleicht habt ihr das Video angesehen. Dementsprechend wird es niemanden verwundern, wenn ich verkünde, dass das letzte Stück für mich ein Reinfall war. Ich konnte es nicht glauben, ich saß in meinem Stuhl und wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Ich habe nicht den leisesten Schimmer, wer diese Komposition verbockt hatte. Wovon rede ich? Ich gehe das Stück mal durch:

Es begann wie das Spiel, in einem dunklen Wald mit Link auf seinem treuen Pferd Epona. Die Musik war identisch zum Spiel und wunderschön. Daraufhin die Szene, in der Das Horrorkid Links Ocarina stielt. Ein kurzes Auftauchen von Majora’s Thema, eines der besten, die Zelda zu bieten hat. Das ganze ging flüssig in die Musik von Unruhstadt über, dem spielerischen Zentrum von Marora’s Mask. Wie im Spiel wurde es immer düsterer und baute wunderbar Spannung auf, da der herab stürzende Mond -die große Bedrohung des Spieles- immer näher kam. Diese gut aufgebaute Spannung wurde daraufhin aus dem Fenster geschmissen. Was folgte waren mehrere Minuten voll mit mittelmäßig epischer Musik, die ich in den 10 Jahren, die ich das Spiel besitze noch nie gehört habe. Ich bin mir sicher, dass die Harmonie an irgendetwas existierendes angelegt war, aber es gab keine wieder zu erkennende Melodie, oft sogar überhaupt keine Melodie. Als hätte ein Amateur-Komponist sich mal an ein bisschen Film-Musik geübt. Langweilige, generische Musik machte den gesamten Rest aus. Der einzige Wink zum Spiel hin waren die letzten beiden Takte, die sofortigen Wiedererkennungswert als Gesang des Himmels besaßen. Aber eben nur zwei Takte davon.
Es hätte viele Stücke in Majoras Mask gegeben. Allen voran das Majora Motiv, das sogar im Spiel in mehreren Versionen existiert. Den Deku-Palast, alle Tempel-Stücke, die Musik die im Umland zu hören ist und in jedem der vier Gebiete ein anderes Arrangement hat. Brillante Kompositionen, und alles wurde gestrichen für Minuten voll mit unnützer Langeweile, die nicht eindeutig als Zelda-Komposition erkennbar war. Für mich war dies der letzte Nagel im Sarg, ich als Majora-Fanboy fühlte mich betrogen. Und weil ich diesen Artikel einigermaßen seriös (und jugendfrei) halten will, werde ich meine Gefühle hier nicht weiter ausleben, es reicht zu sagen dass ich schwer enttäuscht war.

FAZIT

Einige meiner Kritikpunkte waren eindeutige Geschmackssache. Nicht jeder stört sich daran, dass Majora’s Mask so ausging wie es ausging. Nicht jeder fand den Dolmetscher schlimm. Viele mögen die Leinwand. Aber es gibt Punkte, denen denke ich jeder zustimmen wird, der sie bemerkt hat. Die ungerechte Verteilung von Stücken ist das erste. Weniger Ocarina of Time, mehr Phantom Hourglass, Spirit Tracks und Minish Cap. Gerechtere Verteilung. Oder einfacher: Mehr Musik. Das Konzert war nicht unbedingt kurz, aber die Zugaben wurden stark in die Länge gezogen. Applaus, so tun als sei es vorbei, doch wieder auf die Bühne, lange Ansage. Da hätten noch mindestens 2 Stücke reingepasst. Eines, das Phantom Hourglass und Spirit Tracks verbindet, eines für Minish Cap und Four Swords (Adventure). Und so schnell wären alle Haupttitel der Reihe zumindest kurz angespielt. Der zweite Punkt, und das war für mich wirklich das Haupt-Kriterium zu sagen: “Das war nicht, was ich haben wollte”…
Die verdammte Mikrofonierung. Warum ist das notwendig? Ich verstehe es einfach nicht. Herr der Ringe brauchte das nicht, Final Fantasy brauchte das nicht, warum hier? Warum einen wundervollen orchestralen Live-Sound aufgeben für stark bearbeitete Klänge aus den Lautsprecherboxen? Wir saßen in der zweiten Reihe vorne und haben nie das Gefühl gehabt, ein Intrument wirklich live zu hören. Und das zog sich selbstverständlich durch den gesamten Abend. Und egal, wie sehr ich einige Parts musikalisch gelobt habe; dieser technische Makel machte alles kaputt. Ich hatte bei Final Fantasy viel mehr Gänsehaut, und das obwohl ich nur 10% des Programmes vorher schon ein mal gehört hatte. FFXIII war das einizige das ich je angespielt habe, und Fans wissen, dass es nicht allzu gut war. Dennoch war Distant Worlds nicht nur das bessere Konzert sondern auch das, was mir persönlich deutlich besser gefallen hat. Eine Spielereihe mit der ich fast nie zu tun hatte riss mich mehr vom Hocker als die, mit der ich aufgewachsen bin und die ich mit 9 Jahren schon ins Herz geschlossen hatte.

Und gemeinsam mit den hohen (unerfüllten) Erwartungen, die wir alle hatten, ist das der Grund. Der Grund, warum wir enttäuscht aus dem Saal gegangen sind. Es hat mich einfach nicht mitgerissen. Drei Mal Gänsehaut (Lied der Befreiung, Ballad of the Windfish und der Anfang von Majora’s Mask) war eindeutig zu wenig.

Würde ich das Konzert weiterempfehlen?
Ja, aber nicht für den Preis. Die Veranstaltung war keine 100€ wert. Nicht in dem Saal, nicht mit dem Orchester. Sollte es wieder nach Deutschland kommen und ihr bekommt Karten unter 60€, geht hin. Nur wenn ihr Zelda-Fans seid. Und nur wenn es ein wirklicher Konzertsaal ist. Das Problem mit den Mikrofonen wird trotzdem da sein, aber der Großteil des Publikums und der Internet-Kritiken schienen sich daran nicht zu stören. Insgesamt ist es schwierig zusammenzufassen. Mir bleibt nur zu sagen:

Es war nicht schlecht. Aber es hätte viel besser sein können.

Versucht aus diesem Artikel eure eigenen Kriterien zu finden, ob es euch gefallen hätte oder nicht, ich habe mir alle Mühe gegeben, objektiv zu bleiben und alle positiven und negativen Punkte zu behandeln. Und wenn ihr eine Möglichkeit habt, das Konzert anzuschauen, lasst uns in den Kommentaren wissen, wie es euch gefallen hat.

Bis dahin,
TheThörl

 

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